Damit aus Rola wieder eine Zahnärztin wird

Hochqualifizierte Flüchtlinge lernen bei uns Deutsch

.Ali Alali ist Geschichtslehrer. Rola Al Abd hat als Zahnärztin gearbeitet. Olessya Kulikovskaya hat Ökologie studiert. Sie und sieben andere hoch qualifizierte Menschen arbeiten im Ludgerus-Werk Lohne an ihrer neuen Zukunft in Deutschland. Und die besteht zunächst darin, die Sprache zu lernen. Einen großen Schritt in diese Richtung haben sie jetzt mit dem Abschluss des Sprachkurses B2 geschafft – nach vielen Monaten harten Lernens. Nach den Herbstferien startet der nächste Kurs auf dem Niveau C1. Die dazugehörige Prüfung berechtigt sie dann zu einem Studium an einer Hochschule.

Nicht jeder von ihnen wird wieder in seinem angestammten Beruf unterkommen, fürchtet Kursleiterin Anastazja Raczynska. Denn vielfach werden Abschlüsse nicht anerkannt. Oder das Berufsbild ist hierzulande ein völlig anderes als im Heimatland. So startet die Karriere von in ihren Heimatländern erfolgreichen Menschen in Deutschland von vorne. Ziel ist es, dass diese hochqualifizierten Leute in den deutschen Arbeitsmarkt integriert werden. „Alle reden von Fachkräftemangel“, betont Raczynska. „Wir haben ein Mittel dagegen.“

Auch wenn nicht jeder in seinem angestammten Beruf wieder arbeiten wird, die meisten sind so motiviert, dass sie auch in einer anderen Branche arbeiten möchten. Der syrische Palästinenser Rani Abed Al Haq ist gelernter Bauzeichner. Doch weil die Vorschriften und Gesetze und Bauweisen in Deutschland ganz anders als in Syrien sind, möchte er nun umschulen. Ein Praktikum bei einem Solarinstallateur hat der 43-Jährige, der vor vier Jahren nach Deutschland kam, bereits hinter sich. Geschichtslehrer Ali Alali kann sich vorstellen, als Pflegefachkraft zu arbeiten.

Viele Prüfungen kommen noch

Mohamad Samer Alseufy aus Syrien dagegen würde gerne wieder etwas mit IT machen. Seinen Ingenieurs-Abschuss hat der 30-Jährige bereits in der Tasche. Doch ohne zumindest ein Aufbaustudium in Deutschland wird er wohl beruflich nicht Fuß fassen. Dafür ist der Sprachkurs der erste Schritt. Genau wie für seine Frau, Danya Koujan. Sie möchte wie in Syrien auch in Deutschland als Ernährungsberaterin arbeiten. Im Dezember erwartet sie ihr erstes Kind. Mit dem Sprachkurs will sie aber weitermachen.

Auch die syrische Zahnärztin Rola Al Abd will wieder in ihrem Beruf arbeiten. Wenn die 37-Jährige das Sprachniveau erreicht hat, muss sie aber noch diverse Prüfungen bestehen, um ihre Zulassung zu erhalten.

Kooperation mit Uni Vechta

Während des kommenden C1-Kurses sollen die Teilnehmer auch das Leben an der Hochschule kennenlernen. Dazu hat das Ludgerus-Werk eine Kooperation mit der Universität Vechta geschlossen. So sollen die jungen Leute demnächst in Vorlesungen hineinschnuppern und Termine bei der Studienberatung bekommen.  „Diese Leute sind zu schlau, um in der Fabrik am Band zu arbeiten“, sagt Kursleiterin Raczynska. „Wir brauchen sie als echte Fachkräfte.“