Auf Umwegen ans berufliche Ziel

Fachpraktiker Metall werden

Patrick hat viele Umwege genommen. Doch jetzt hat er das erste von vielen weiteren Zielen vor Augen: Der 21-Jährige möchte die Ausbildung zum Fachpraktiker für Metallbau mit Note eins oder zwei zu Ende bringen und dann die nächste Lehre zum Werkzeugmechaniker dranhängen. Vor einigen Jahren steckte er noch einer Sackgasse: Den Hauptschulabschluss hat er zwar mit Ach und Krach bestanden. Aber keine Firma wollte ihn mit einem Notendurchschnitt von vier einstellen. Dann kamen Kurt Dödtmann und Martina Müller ins Spiel.

Kurt Dödtmann ist Lehrgangsleiter für berufliche Weiterbildung beim Ludgerus-Werk Lohne. Er nahm Patrick in der hauseigenen Metallwerkstatt unter seine Fittiche und brachte ihm die ersten Techniken mit Feile und Bohrer bei. „Ich habe gleich gemerkt, dass mir Metallbau Spaß macht“, erzählt der Azubi. Nach einem Praktikum startete er vor drei Jahren in der Werkstatt des Ludgerus-Werks die Ausbildung zum Fachpraktiker, im Januar hat er nun endlich Prüfung.

Weniger Druck als im Unternehmen

Patrick und die neun anderen jungen Leute in der Werkstatt haben Förderbedarf aus ganz unterschiedlichen Gründen: Sie haben die Schule über Jahre nicht ernst genommen, sind einfach im Unterricht nicht mitgekommen oder haben Lernschwächen. Jedenfalls haben sie kaum eine Chance auf dem regulären Ausbildungsmarkt. Daher bezahlt die Bundesagentur für Arbeit die Ausbildung in der Werkstatt des Ludgerus-Werks, wo die Ausbilder mehr Zeit für die jungen Leute haben, wo der Druck nicht ganz so hoch ist wie in einem Unternehmen. Zudem ist die Ausbildung etwas einfacher als die zum Metallbauer. Das Prinzip funktioniert offensichtlich: Erst kürzlich hat die Bietergemeinschaft aus Ludgerus-Werk und Kreisvolkshochschule erneut den Zuschlag für die Maßnahme für drei weitere Jahre bekommen, berichtet Elisabeth Schlömer, Leiterin des Ludgerus-Werks.

„Unsere Jugendlichen haben viele Fähigkeiten“, sagt Sozialpädagogin Martina Müller. „Sie müssen nur entdeckt werden.“ Das sei Job der Pädagogen und Ausbilder des Ludgerus-Werks. Auf dem Weg zum Abschluss werden die Jugendlichen mal mehr, mal weniger begleitet. „Sie brauchen Zeit, sich zu entwickeln“, betont Müller. Neben den fachlichen Dingen arbeiten die Ausbilder und Pädagogen an den Schlüsselkompetenzen wie Pünktlichkeit, Gründlichkeit und Verlässlichkeit. „Sie sollen an sich glauben und sehen, dass die Arbeit Sinn macht“, erklärt die Sozialpädagogin.

Duale Ausbildung mit Förderunterricht

Die Ausbildung ist dual, so wie bei betrieblichen Ausbildungen auch. Ein- bis zweimal wöchentlich ist Berufsschule in Cloppenburg. An den übrigen Tagen lernen die jungen Leute unter Anleitung von Kurt Dödtmann und Ludger Arlinghaus das Handwerk. Außerdem gibt es Förderunterricht in den Schulungsräumen der Werkstatt, damit die Jugendlichen den Schulstoff auch bewältigen können.

Nach der Ausbildung haben die Jugendlichen neben einem Beruf auch einen Hauptschulabschluss geschafft. Sie können sich also für weiter Ausbildungen bewerben und haben beim jetzigen Fachkräftemangel gute Chancen, weiß Kurt Dödtmann. Der Weg, den Patrick und die anderen jungen Leute nehmen, geht zwar nicht geradeaus, aber er führt am Ende auch ans Ziel.

Weitere Infos zum Fachpraktiker unter Telefon 04442-93900 oder über das Kontaktformular.